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Der Ruf der Stille

Inspiration im Kloster Beuron

Die schweren Holztüren des Benediktinerklosters Beuron schlossen sich hinter mir mit einem dumpfen, endgültigen Klang. Für einen Moment blieb ich stehen und atmete tief ein. Die Luft war anders hier – ruhiger, dichter, als würde sie jahrhundertealte Gebete in sich tragen.

Ich war nicht zufällig hierhergekommen. Mein Leben hatte mich an einen Punkt geführt, an dem ich nach etwas suchte, das ich nicht benennen konnte. Eine Unruhe hatte sich in den letzten Wochen spürbar in mir breitgemacht, ein Gefühl, als würde ich neben mir selbst her leben. Die Geschäftigkeit und die Schnelligkeit des Alltags, die endlosen Termine, die oft so oberflächlichen Gespräche – alles schien plötzlich hohl und bedeutungslos.



Die Stille des Klosters traf mich wie eine sanfte Ohrfeige. Hier gab es keine surrenden Handys, keine hektischen Schritte auf Asphalt, keine Motoren, die ungeduldig im Stau des Münchener Verkehrs brummten. Nur Stille. Eine Stille, die nicht leer war, sondern voller Gegenwart. Für einen Moment der bewussten Wahrnehmung konnte ich sie sogar riechen, hören und fühlen.


Ich hatte mir ein paar Tage der Einkehr gegönnt, um über meinen weiteren Lebensweg nachzudenken. Besonders das Thema Demut beschäftigte mich. Seit Tagen war dieses altmodische Wort in meinem Kopf. Seltsam. Immer wieder kam es mir in den Sinn. Was hat das denn mit mir zu tun? Was bedeutete es wirklich, demütig zu sein? War es Schwäche oder vielleicht die größte Stärke überhaupt?

 
 
 

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